REZENSION - DIE FÄDEN DER ZEIT

18.07.2015


Nur wenn sie ihr Geheimnis aufs Spiel setzt, kann sie ihren Bruder retten! Das Labyrinth, wie die Bewohner die Slums von Ninurta bezeichnen, ist düster und steckt voller Geheimnisse. Eines davon hütet die 17-jährige Kai – sie kann die Fäden der Zeit sehen und manipulieren. Gemeinsam mit ihrem Bruder Reev lebt sie daher unauffällig, mit dem Ziel, eines Tages das Elend des Labyrinths hinter sich zu lassen. Doch dann verschwindet Reev. Zusammen mit Avan, ihrem einzigen Freund, setzt Kai alles daran, ihren Bruder zu finden. Selbst wenn sie dafür ihr Geheimnis aufs Spiel setzen und die schützenden Mauern der Stadt hinter sich lassen muss …

MEINE MEINUNG

Die junge Kai lebt gemeinsam mit ihrem Burder Reev im Labyrinth von Ninurta, einem Armenvirtel der Stadt. Sie schlagen sich mehr recht als schlecht durch und haben nur ein Ziel vor Augen, eines Tages, wenn sie genug Punkte (die Währung in dieser Stadt) angespart haben, endlich die Trostlosigkeit der Slums zu verlassen und ein Leben nach ihren Wünschen zu leben. Kai verdient sich neben der Schule ihre Punkte, in dem die als Briefträgerin arbeitet, dies führ sie auch zu den besser gestellten Leuten im sogenannten Weißen Hof. Eines Tages jedoch passiert etwas schlimmes, ihr Bruder Reev kehrt nicht von seiner Arbeit zurück. Voller Sorge macht sich Kai auf die Suche nach ihm. Sie erfährt, dass der Schwarze Reiter dafür verantwortlich gemacht wird, das Reev entführt wurde und nicht nur er, auch schon in der Vergangenheit verschwanden Leute spurlos. Um keine Zeit zu verlieren macht sich Kai zusammen mit ihrem Freund Avan auf die suche nach ihrem Bruder. Dies führt nicht nur Beide außerhalb der schützenden Mauern Ninurta, sondern auch zu Geheimnissen die Kais Vergangenheit und ihr eigenes Geheimnis - die Fäden der Zeit zu manipulieren - betreffen.

Mich hat die Fäden der Zeit wirklich überrascht, selbst der Klappentext konnte mich nicht wirklich darauf vorbereiten, was in diesem Buch so alles vor sich geht. Zwar erfährt man schon, das Kai die Gabe hat die Zeit bzw. die Fäden oder auch die Ströme dieser zu nutzen, doch mit voranschreiten der Geschehnisse kristallisiert sich immer mehr heraus, das Kai weit mehr als ein normales Mädchen mit besonderen Kräften ist. Hier hat mir auch die Protagonistin selbst sehr gut gefallen. Kai ist kein weinerliche Hauptfigur, die nur auf sich bezogen ist und auch so handelt, ganz im Gegenteil. Sie hat wünsche, die durchaus nachvollziehen sind und sich um ihren Bruder, der noch nicht einmal ihr richtiger Bruder ist sorgen macht. Reev hat sie vor acht Jahren am Fussufer gefunden und sich augenblicklich für sie Verantwortlich gefühlt und sich um sie gekümmert, da ist es auch nicht verwunderlich wenn sie in Panik gerät, als er plötzlich spurlos verschwindet. Neben Kai spielt auch ihr Freund Avan eine nicht unerheblich Rolle, zusammen begeben sie sich nicht nur auf die Reise Reev zu finden, sondern es entwickelt sich auch eine tiefer gehende Beziehung zueinander. Sie kommen sich näher und man kann beim Lesen fühlen wie die Luft knistert zwischen den Zweien.

Ebenso faszinierend wie die Figuren in diesem Buch, sind auch die Elemente, die die Autorin zu einer außergewöhnlichen Storyline verwebt. So meint man, man würde sich in einer Art Dystophie befinden wird aber im Verlauf eines besseren belehrt, so finden sich nicht nur Teile einer, sagen wir mal ''postapokalyptischen  Welt'' sondern auch die einer Fantasy Geschichte. Hier gibt es Magie und Technik, die in Ninurta eine primäre Rolle spielen. In der Vergangenheit wurde die Welt durch diese Beiden Faktoren fast gänzlich zerstört. Dennoch gibt es wenige Personen die noch wiklich Magie praktizieren unter ihnen auch der derzeitige Regent Ninurtas der Ninu Khal. Regiert Armut und Elend in den Slums so herrscht im Inneren Kreis, in dem der Khal zusammen mit seiner Garde den Sentinels - die ebenfalls über besondere Fähigkeiten besitzen - und einigen anderen privilegierten Menschen leben im Luxus und Sorgenfrei, im krassen Kontrast zu den Armenquatieren in Kai und Reev leben.

Auch hier hat Lori Lee einen wunderbare Arbeit geleistet, so kann man sich durch ihre Erklärungen richtig vorstelle, wie das Leben und die Zustände - so schlimm sie auch sind - bildlich vorstellen und fühlt sich mitten hineinversetzt. Ihr Schreibstil ist wunderbar flüssig und es kommt auf keinste Weise das Gefühl auf irgendetwas verpasst oder überlesen zu haben. Wie bereits erwähnt sind auch die Darstellungen der Figuren sehr gut ausgearbeitet und man kommt nicht umhin sie sympatisch zu finden. Besonders Kai als Hautpcharkater ist der Autorin sehr gut gelungen. Der Verlauf selbst lässt den Leser keinem Moment Zeit langweile zu empfinden, weil die Autorin es schafft Spannung und zugleich Geheimnisse so zu verbinden, dass man unbedingt weiterlesen möchte und will. Zwar wird der Leser auf eine harte Probe gestellt, weil man nur Stück für Stück gemeinsam mit Kai hinter die wirkliche Wahrheit ihrer Welt und ihrer Gabe kommt.

Zum Ende hat die Autorin wirklich noch eins draufgesetzt und man wünscht sich nicht sehnlicher nach diesem Ende, das zweite Buch in den Händen zu halten. Obwohl die Story mit keinem Cliffhanger endet, bin ich dennoch ziemlich mit dem Ende zufrieden, wohl wissen, dass im nächsten Buch ein wiedersehen mit Kai bevorsteht.

FAZIT
Außergewöhnliche Story mit Figuren die man wirklich mögen muss. Viele Geheimnisse die man wirklich nicht erwartet hätte und ein zusammenspiel von Fantasy und Dystophie die mir sehr gut gefallen hat und sich ohne Probleme wunderbar lesen lässt. Hier scheue ich mich auch nicht zu sagen, dass es ein wahres Leseerlebnis war, dass man ohne bedenken weiterempfehlen kann.

❶ ❷ ❸ ❹ ❺ 

Die Fäden der Zeit 
von Lori M. Lee
Blanvalet
Taschenbuch
20. Juli 2015
ISBN: 978-3-7341-6031-8
Reihe: Gates of Thread and Stone

Amazon Verlag | Webseite | Leseprobe

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag zum Bereitstellen eines Rezensionsexemlpares

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen